23. Januar 2012

Rauchen auch weiterhin ermöglichen

6 Kommentare

Der Ortsverein Mitte der SPD Solingen und die Jusos Solingen lehnen die von den GRÜNEN im Landtag NRW geforderte Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes in der vorliegenden Form ab.

Für sie ist der status quo des Gesetzes vom 1. Januar 2008 ausreichend. Besonders wenden sie sich gegen das Verbot von Raucherräumen in Gaststätten und der Errichtung von Raucherclubs. Weiterhin treten sie für die Möglichkeit, in Einrichtungen der Pflege, der Behindertenhilfe sowie der Wohnungslosen-/Gefährdetenhilfe unter Berücksichtigung des Nichtraucherschutzes rauchen zu können, ein.

Sie fordern die Mitglieder der SPD-Fraktion im Landtag NRW auf, dem Gesetz zur Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes von 2012 nicht zuzustimmen und bitten alle Gliederungen der SPD in NRW sich gegen eine solche Verabschiedung auszusprechen.

Einem generellen Rauchverbot auf Kinderspielplätzen, wie es die Gesetzesänderung vorsieht, wird hingegen nicht widersprochen, sondern begrüßt.

Begründung

In der Ausführung zur Gesetzesänderung wird festgestellt, dass „ca. 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung rauchen“. Diesen Menschen muss Rauchen auch in geschlossenen Räumen außerhalb der eigenen Wohnung weiterhin möglich sein. Es ist nicht Aufgabe des Staates die erwachsene Bevölkerung durch erzieherische Maßnahmen zu gesundem Leben zu verpflichten.
Gerade in Gaststätten, die als Rauchergaststätte gekennzeichnet sind, bzw. in dafür geschaffenen Rauchererräumen, belästigen sie keine Nichtraucher, die keinem Rauch ausgesetzt werden wollen. Die Anzahl der Restaurants und Kneipen in NRW, die gänzlich rauchfrei sind, ist überaus groß, so dass Nichtraucher immer eine für sie geeignete Lokalität aufsuchen können. Die aktuelle Vielfalt unter der bisherigen Regelung ermöglicht den Bürgern echte Wahlfreiheit.

Rauchen gehörte über Jahrzehnte zur Kultur unseres Landes. Wenn den (süchtigen) Rauchern nun jeglicher Raum für gemeinsames Zusammensein und Rauchen in allen Lokalen sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen entzogen wird, werden diese unzumutbar bevormundet. Gerade die GRÜNEN forderten und fordern – durchaus zu Recht – „Druckräume“, wo heroinabhängige Menschen unter würdigen Bedingungen ihre Sucht befriedigen können, ohne sich auf Toiletten oder in Büschen verstecken zu müssen. Umso verwunderlicher ist die rigorose Haltung gegenüber Rauchern.

Die Ausführung räumt ein, ein „nicht genau zu bezifferbarer Anteil der getränkeorientierten Kleingastronomie mit einem hohen Anteil an rauchender Stammkundschaft sowie Shisha-Bars werden Nachteile hinnehmen müssen.“ Diese sollen dann „auf andere Geschäftskonzepte ausweichen“. Zahlen aus Ländern mit rigorosem Rauchverbot belegen, dass gerade diese Gastronomiebetriebe in hohem Maße zum aufgeben gezwungen wurden. Faktisch bewirkt das geplante Nichtraucherschutzgesetz eine Schließung der noch vorhandenen Raucherkneipen.

Zwar erlaubt das Gesetz zur Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes von 2012 in „stationären Einrichtungen der Pflege, der Behindertenhilfe sowie der Wohnungslosen/Gefährdetenhilfe“ die Einrichtung von Raucherräumen – verweigert jedoch einen Anspruch auf diese Räume.
Menschen, die ihr Leben lang geraucht haben und in ein Altenheim müssen, dürfen nicht gezwungen werden, mit dem Rauchen aufzuhören oder von nun an nur noch im Freien zu rauchen.

Das von den GRÜNEN geplante Gesetz dient scheinbar weniger dem Schutz der nicht rauchenden Menschen, als der „Volkserziehung“ – nicht erwünschtes Verhalten (hier Rauchen) soll sanktioniert bzw. verdrängt werden. Dass diese „Volkserziehung“ das Gegenteil von dem bewirken kann, was sie bezwecken wollte, zeigen auch Zahlen aus Ländern, in denen Rauchen in unverhältnismäßigem Maß sanktioniert und geächtet wird. Dort stieg die Anzahl der rauchenden Jugendlichen – im Gegensatz zum üblichen Trend – an.

Der satus quo des Gesetzes von 2008 ist ausreichend. Begrüßenswert in der geplanten Änderung ist das Rauchverbot auf Spielplätzen – nicht, um im Freien das Rauchen zu untersagen, sondern Kindern vor dem Abfall zu schützen. Das generelle Verbot in allen Gaststätten, Freizeiteinrichtungen und die Aufhebung der Möglichkeit in Pflegeeinrichtungen zu rauchen, schießt weit über das sinnvolle Ziel des Nichtraucherschutzes hinaus – und ist Wählerinnen und Wählern kaum vermittelbar. Die CSU verlor auch wegen ihrer rigorosen Haltung zum Nichtraucherschutz in Bayern ihre absolute Mehrheit. Die SPD erwiese sich einen Bärendienst, den Plänen der GRÜNEN zuzustimmen.





6 Kommentare »

  • Betrifft uns! meint:

    Das Aktionsbündnis NRW genießt! begrüßt ausdrücklich die Initiative der Jungen Sozialdemokraten Solingen!

    Bitte unterstützt auch die flankierende Petition in Nordrhein-Westfalen. Wir haben dafür auf der Webseite http://BetrifftUns.de“> einige Hilfen und Materialien für die Unterstützung beim Sammeln von Unterschriften bereit gestellt.

    Viel Erfolg!

  • Klaus meint:

    Netter Blog, gefaellt mir sehr. Auch interessante Themen.

  • Betrifft uns! meint:

    Interview des Vorsitzenden OV-Mitte Solingen der SPD im Radio…

    (auf Facebook) In der Hörfunksendung »Betrifft: Berlin! – Das Magazin.« äußerte sich der Vorsitzende des Ortsverein Solingen-Mitte der SPD, Helgo Ollmann zu den beabsichtigen Gesetzesänderungen der rot-grünen Landesregierung in Bezug auf das Nich…

  • Helgo Ollmann meint:

    Das Interview des Vorsitzenden OV-Mitte Solingen der SPD im Radio

    gibt es auch zum download:
    http://spd-sg-mitte.de/dokumente/Interview.mp3

  • Wahlkampf: Alle Infos! | Jusos Solingen meint:

    [...] Am 1. April steigen wir mit einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung offiziell in den Wahlkampf ein. In lockerer Atmosphäre werden wir mit den beiden SPD-Landtagsabgeordneten diskutieren. Dabei können Fragen über die Arbeit im Landtag gestellt werden, aber es wird auch kontrovers über politische Inhalte diskutiert. Denn es gibt auch Entwicklungen, die auch innerhalb der SPD umstritten sind: In der Debatte um ein neues Ladenöffnungsgesetz setzen wir uns für eine Beibehaltung der liberalen Regelungen ein. Auch beim Nichtraucherschutz wehren wir uns gegen den Ordnungs- und Verbotswahn der Grünen. [...]

  • Patrick meint:

    Das ist doch ein Schwachsinn!
    Rauchen und Passivrauchen sind weltweit Todesursache Nr. 1 und 3! Wie kann man sich da noch vehement gegen eine Verbesserung des Nichtraucherschutzes wehren? So eine Beschränktheit ist alles Andere als clever!
    Der Tabakkonsum sollte wie alle Suchtmacher strenger eingeschränkt werden und nicht durch solche Verlautbarungen verhamlost werden! Oder wird es etwa einem Heroinabhängigen erlaubt, sich in seiner eigenen Wohnung die Spritze zu setzen, was anbei bemerkt noch nicht ein mal in die Nachbarswohnung ziehen und diesen passiv schädigen würde! (Ja, dass war Ironie und sollte ein Beispiel für blödsinnige Verhamlosung sein!)

    Der Aufruf zu mehr Toleranz sollte zu jeder Zeit an die Raucher gerichtet werden! Denn es kann nicht funktionieren, dass die saubere Luft, die jedem gehört, verunreinigt wird und es dann von den in diesem Fall unschuldigen Nichtrauchern verlangt wird, dies hinzunehmen und stets auf der Flucht vor dem blauen Dunst zu sein. Man sollte sich auch mal die genauen Zahlen zum Thema Asthma und Chronische Bronchitis ansehen, diese Krankheiten treten in Deutschland auffällig häufig auf und entstehen am häufigsten im Kindesalter, nämlich bei denen, die sich am wenigsten wehren können! Den Kindern von Rauchern!

    Meine Damen und Herren, diese Art der Politik ist unverantwortlich und schlicht und ergreifend eine heuchlerischeArt des Stimmenfangs!

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